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Protokoll 1. Generalversammlung SAC-Ortsgruppe Visp (1945)

Liebe Klubkameraden

Als der Vorstand der Ortsgruppe Brig seine Visper Mitglieder zu einer kameradschaftlichen Aussprache auf den 20. Januar dieses Jahres ins Café Zenklusen rief, ahnte wohl niemand, dass damit die Geburtsstunde der Ortsgruppe Visp der Sektion Monte-Rosa geschlagen hatte. In grosser Zahl erschienen Mitglieder und Freunde unseres lieben SAC im kleinen Stüblein bei Klubkamerad Schmid Raymond. Der Vorstand unserer Briger Freunde war erstaunt, ob solch grossem Interesse, waren doch währen der letzten Zeit in der grossen Gruppe von Brig selten Zusammenkünfte von 20 Mitgliedern zustande gekommen. Diese Tatsache allein zeigt, dass die Ortsgruppe Brig eine momentane Krise durchmacht, von der auch die Visper Mitglieder, die schon immer etwas stiefmütterlich behandelt wurden, nicht unberührt blieben. Im Bestreben mehr von der schönen Organisation des SAC zu profitieren und vor allem mit dem Ziel, die heere Idee der in weitere Bevölkerungskreise zu tragen, wurde deshalb an jenem Abend beschlossen, uns von Brig loszusagen und eine eigene Ortsgruppe zu gründen. Die Idee der Initianten fiel auf fruchtbares Erdreich. Schon nach wenigen Tagen waren weit mehr als die verlangten 30 Unterschriften gesammelt. In relativ kurzer Zeit konnten die Verhältnisse mit der Ortsgruppe Brig, die nicht ohne weiteres ihre Visper Mitglieder preisgeben wollte, und mit dem Vorstand der Sektion Monte-Rosa, der unseren Bestreben von allem Anfang an sehr günstig gesinnt war, abgeklärt werden, so dass am 7. April dieses Jahres die Gründungsversammlung unserer Ortsgruppe stattfinden konnte. Schlicht und einfach ohne Ausführlichkeiten aber erfüllt vom grossen gemeinsamen Ideale wurde diese Versammlung abgehalten. Sie zeigte, dass die Initianten mit ihrer Initiative recht gehabt haben, stand sie doch ganz unter dem Motto der Heimatliebe, der Begeisterung für unsere lieben Berge und echter Kameradschaft. Hoffnungsvoll leuchteten die Augen unseres Sektionspräsidenten Herrn Tamini auf, als er das Glas zum Wohle der Ortsgruppe Visp erhob und damit das 8. Kind der Mutter Monte-Rosa aus der Taufe hob. Wir haben damals Herrn Tamini versprochen, aktiv in seiner Familie mitzumachen und seine in uns gesetzten Hoffnungen nicht zu enttäuschen.

 

Soweit als dies möglich war, hat sich der Vorstand bemüht diesem Versprechen nachzukommen, und wurde darin von einer ganzen Reihe von Mitgliedern aktiv unterstützt. Innerhalb der Gruppe wurden bis auf eine alle vorgesehenen Touren und Ausflüge durchgeführt, und euer Präsident konnte an der Generalversammlung der Sektion in Martigny mit grosser Genugtuung feststellen, dass wird in diesem Jahre eine der aktivsten Gruppen von Monte-Rosa waren. Wohl hatten wir mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen, die es mit sich brachten, dass verschiedene Touren nur von einer relativ kleinen Zahl unserer Klubkameraden mitgemacht werden konnten. Dafür war die Beteiligung in anderen Fällen umso erfreulicher. Manch schöne Erinnerung hat in uns dieser erste Bergsommer im Rahmen der Ortsgruppe zurück gelassen, sei es der Scharlachausflug über den Saflischpass ins Binntal unter den Augen der Paragraphenhelden, sei es die Luftfahrt von Embd nach Kalpetran oder der wunderbare Sonnentag auf den Zinnen des Bietschhorns oder des Zinalrothorns. Dass unsere lieben Vorstandsmitglieder Hedinger, Bollschweiler und Jost ihr wahres Gesicht erst diesen Frühling vor der Oberaarjochhütte entdeckten, haben auch sie unserer Ortsgruppe zu verdanken.

Schliesslich sollen verschiedene Klubkameraden versucht haben, all das, was ihnen die Rationierung in diesen Kriegsjahren Abbruch getan hat, an einem einzigen Nachmittag wieder aufzuholen.

Allen Klubkameraden, die die Pflicht und anderweitige Inanspruchnahme von unseren Veranstaltungen fernhielt, hätten wir all diese schönen Erlebnisse auch gewünscht und wir hoffen von Herzen, dass sich ihnen im nächsten Jahre die Möglichkeit bieten wird, wenigstens eine unserer herrlichen Fahrten mitzumachen.

Leider war es uns trotz verschiedener Anläufe nicht vergönnt, schon in unserem ersten Klubjahre eine eigene Jugendorganisation ins Leben zu rufen. Nun scheint es aber, dass auch dieses Ziel verwirklicht werden kann, und ich möchte alle Mitglieder auffordern, ihrerseits den Gedanken der JO und die Begeisterung für unsere Berge nach Möglichkeit bei unsern Buben zu fördern.

Auch nach aussen war unsere Gruppe recht aktiv. Unsere Verbindung mit dem Sektionsvorstand in Monthey war recht enge und ebenso herzlich. Die Mutter Monte-Rosa hat ihren jüngsten Säugling mit grossem Wohlwollen behandelt. Eine Delegation von 9 Mann beteiligte sich an der Frühjahrsversammlung vom 3. Juni in Zermatt. Mit solch überschäumender Freude wurde das frohe Ereignis, schon in unserem ersten Klubjahre in der Person von Herrn Raymond Schmid einen goldbekränzten Veteranen in unserer Mitte zu haben, gefeiert, dass selbst der Chronist der Sektion davon zu berichten weiss, und es sich unser geschätztes Bezirksoberhaupt, Herr Präfekt Petrig, nicht nehmen liess, seinen Vispern eine besondere Runde zu spendieren. An der Generalversammlung der Sektion vom 2. Dezember in Martigny war unsere Gruppe leider nur mit zwei Mann vertreten. Dies ist ein Fehler nicht nur deshalb, weil jede Generalversammlung von Monte-Rosa ein imposantes Familienfest darstellt, sondern weil auch jedes Mal eine Reihe wichtiger Fragen besprochen werden, die auch unsere Gruppe und jedes einzelne Mitglied stark interessieren. Dazwischen wurde ein Vertreter unserer Gruppe an die Delegiertenversammlung nach Arolla geschickt, die dazu bestimmt war, die neue Vignettes-Hütte an der Stelle des alten ehrwürdigen Refuge Jekins zu besichtigen. Alles was unser Vertreter an Erzählungen und Bildern mit nach Hause brachte, zeigt, dass hier 5 Stunden oberhalb Arolla ein neues wunderbares Bergheim errichtet worden ist. Die Ortsgruppe Visp wird sich eine Ehre daraus machen, diese neue Klause, die ja auch zu einem Teil ihr Eigentum ist, bald einmal zu besuchen.

Liebe Klubkameraden, ich hoffe ihnen hiermit einen kurzen und sicherlich in manchen Teilen mangelhaften Rückblick über unser erstes Klubjahr gegeben zu haben. Manches wurde getan, noch mehr hätte besser durchgeführt werden können, und vieles ist leider überhaupt nicht verwirklicht worden. Allen jenen aber, und vorallem meinen Kollegen im Vorstand, die zu dem wenigen nach bestem Wissen und Gewissen beigetragen haben, spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank aus. In jedem von uns brennt die Liebe für unsere ewigen Berge und unsere schöne Heimat, jeder von uns wird geleitet durch die Ideale des SAC, und in diesem Sinne und Geiste wird auch die Ortsgruppe Visp weiter gedeihen und sich weiter entwickeln und kann deshalb zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Der Präsident

Raymond Perren